Loeske Bult

www.loeskebult.nl
lebt und arbeitet in Rotterdam | geboren in Enschede | Studien der Fotografie in Breda und Groningen, Niederlande | Abschluß: Bachelor 2004 und Master 2007

Beitrag 2018___________
gemeinsam mit Henning Rosenbrock

Foto: Marc Geschonke

Projektskizze: Landmarks (Twentsche Lichtbakens)

Projektskizze: Landmarks (Twentsche Lichtbakens)

Landmarks (twentsche lichtbakens) (Ort: Gut Kinderhaus)
Als eines der typisch niederländischen Landschaftsmerkmale wird die sehr niedrig liegende Horizontlinie genannt. Dieses Bild wird im Frühjahr und Sommer durch auf den Weiden grasende Kuh- und Rinderherden bereichert. Mit den grasenden Kühen ist eine gewisse Art von Identität verbunden, was nicht nur eine landschaftstypische Wirkung als Folge mit sich bringt, sondern Sinnbild der niederländischen identität überhaupt ist. Nach einer langen Winterpause, in der das Milchvieh in großen Ställen gehalten wird, lassen die Landwirte ihre Tiere wieder auf den Weiden grasen -„Vanaf 1 mei koe en kalf in de wei“ – das typische niederländische Landschaftsbild wird damit komplettiert. Doch wie steht es mit dem Treiben des Viehs zurück in den Ställen? Gibt es auch hierzu eine Redewendung? Eine deutliche Folge dieses Tuns ist der Effekt, den es auf das niederländische Landschaftsbild hinterlässt. Während die Kuhherden im Sommer den Charakter der niederländischen Landschaft prägen, so tun es im Winter die für sie eigens errichteten Behausungen. Diese fallen durch ihre (größtenteils warme) Beleuchtung in der Abend- dämmerung und besonders nachts auf. Sie strukturieren die nächtliche Landschaft und verleihen ihr den „ländlichen“ Charakter, der ansonsten nur tagsüber wahrnehmbar zu sein scheint. Von der Region Twente über das westliche Münsterland bis hin zur Stadt Münster fallen diese beleuchteten Ställe besonders auf, da sie nachts in einer nahezu komplett schwarzen Umgebung stehen. Keine Lichtaura von z.B. Straßenbeleuchtungen großer Städte oder Dörfer aus der Nähe, die das teils weiche gelbe, teils harte weiße Licht, welches aus den Ställen scheint, beeinflusst. Es scheinen Lichtquellen aus dem Dunkel zu sein, die unter unterschiedlichen Wetterbedingungen (z.B. Nebel, Schnee, Regen) beinahe mystische Sphären entstehen lassen. Wir wollen diese Orte aufsuchen und fotografisch festlegen. Die Fotoserie soll Ausgangspunkt sein für eine Lichtinstallation als Beitrag für „Kunst am Rand“.

Beitrag 2016 ___________

WIM & SUUS, 2011 – 2013 (Ort: Gärtnerei Moldickx)
Fotografie/Serie und Video


(c) Fotos: Loeske Bult


(c) Foto: Thomas Gerhards


(c) Foto: Thomas Gerhards

Durch Ihre Arbeit in der häuslichen Pflege begegnet Loeske Bult regelmäßig Menschen in besonderen Lebenslagen. Manchmal erhält sie die Zustimmung, zu fotografieren und zu filmen. Die Projekte, die hieraus entstehen werfen häufig komplexe Fragen über die Pflege und den Umgang mit Menschen in derartigen Situationen auf. Sie möchte dies auf subtile und liebevolle Art beleuchten.

Wim & Suus ist ein Foto- und Videoprojekt über zwei Menschen jenseits der 90 Jahre, die 70 Jahre verheiratet sind. In der letzten Phase ihres Lebens hat Loeske Bult sie fotografisch und filmisch begleitet. Daraus ist ein intimes und anrührendes Portrait entstanden. Die Arbeit umfasst etwa 20 Fotografien und einen zwanzigminütigen Film.

Kennengelernt hat Loeske Bult die beiden durch ihre Arbeit in der häuslichen Pflege. Damals lebten Wim und Suus zusammen in einem kleinen Haus in Rotterdam und erledigten noch die gesamte Hausarbeit selber. Es faszinierte sie, wie entschlossen sie waren, eigenständig zu Hause leben zu wollen. Suus war eine starke Frau trotz ihrer zerbrechlichen Ausstrahlung. Loeske Bult war von ihr fasziniert. Kurz vor ihrem 70-jährigen Jubiläum fotografierte die Künstlerin sie in ihrer häuslichen Umgebung. Suus kochte, Wim deckte den Tisch. Suus macht die Wäsche und Wim holt die Zeitung herein. Es ist eine wunderbare tägliche Zusammenarbeit. Als Wim eines Tages am Bein operiert werden musste, können sie nicht länger zu Hause wohnen bleiben und werden in ein Pflegeheim aufgenommen. Hier ändert sich die Situation. Suus Zustand verschlechtert sich rapide. Sie kann Gesprächen nicht mehr folgen und sitzt im Rollstuhl. Sie kann nicht mehr laufen. Wegen des hohen Pflegebedarfs von Suus können sie nicht mehr zusammen in einem Zimmer wohnen. Suus wird in der geschlossenen Abteilung untergebracht und Wim auf der dritten Etage des selben Hauses. Wim besucht Suus jeden Tag. Bei ihren regelmäßigen Besuchen fotografiert und filmt Loeske Bult sie in ihrer neuen Situation. Es fällt auf, dass die Geschäftigkeit verloren gegangen ist. Es wird nicht mehr gekocht oder gewaschen. Ich merke an Suus, dass sie damit Schwierigkeiten hat. Man sieht im Video, dass Suus Töpfe kaufen will, um selber kochen zu können. Selbständig zu kochen, geht nicht mehr, aber der Gedanke daran hält Suus auf den Beinen und lässt sie nicht mehr los. Wim erzählt über das gemeinsame Leben, das sie 70 Jahre teilten. Er hat dabei sichtbar Mühe mit der schrittweisen Veränderung seiner Frau umzugehen. Suus unterbricht ihn regelmäßig in seiner Erzählung, sie ist in ihren Gedanken irgendwo anders. Auch ihr Charakter verändert sich. Sie ist oft böse auf Wim, was für ihn sehr schwierig ist. Trotzdem bleibt seine Liebe zu Suus bedingungslos.

Das Video besteht aus drei Teilen. Die ersten Aufnahmen sind kurz nach dem Umzug 2011 entstanden, die letzten 2013, kurz vor Wims Tod.


(c) Foto: Thomas Gerhards

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